Beziehungskiller Mode

Berlin ist was die Liebe angeht eine schwierige Stadt. Hier gibt es zu viel Freiheit, zu viel Auswahl und zu viele Vielleichts. Großstädte sind ein schwieriges Liebespflaster. Entweder man kennt zu viele Menschen, aber eben nicht die Richtigen, oder man kennt zu wenige. Was nicht heißen soll, dass es nicht wenige Singles gibt. Nein, ganz im Gegenteil. Berlin ist voll davon. Aber es gibt nur zwei Sorten Singles. Die Freiwilligen, die kein Interesse an Beziehungen haben und die Unfreiwilligen, die auf der Suche sind. Meistens treffen genau diese Typen aufeinander. Trifft man dann aber doch mal jemanden, gibt es immer noch entscheidende Faktoren, die das gewisse Mehr verhindern können. Ein Aspekt, der mir schon oft und immer wieder das Leben schwer macht, ist meine geliebte Mode.

Frauen und Mode ist doch eigentlich was tolles. Kurze Kleider, hohe Schuhe, weite Ausschnitte – sind eben so gar nicht das, was wir Frauen gerne tragen. Jede Frau, die das behauptet, belügt sich doch selbst. Es wird getragen, um aufzufallen. Nicht weil es bequem oder praktisch ist, oder weil man sich damit extrem gebildet fühlt. Im Zuge des Feminismus wird aber klar: Wir wollen uns mittlerweile gar nicht mehr für Männer anziehen, sondern für uns und unsere Freundinnen. Was macht schließlich mehr Spaß, als eine super angezogene Freundin zu haben und mit ihr durch die Stadt zu ziehen? Girlpower ist das Stichwort und das Freunde nunmal viel über uns selber aussagen.

Zurück aber zum Feminismus. Der hat eben auch schon längst in der Mode seinen Einzug gefeiert und das sieht man an den aktuellen Trends: Schlaghose, Culottes, Plateausneaker, dunkle Lippen, weite Schnitte und und und. Das alles gefällt uns super, aber Männern sicher nicht besonders (hey, natürlich gibt es auch Ausnahmen!). Feminismus heißt aber auch, dass man das macht, was man will, eben ohne Rücksicht auf Meinung.

Trotzdem begegnet einem täglich die Meinung. Und das auch in Form von Männern. Ich habe bis jetzt drei Typen von Mann kennengelernt und ihre Reaktion auf Mode.

  1. Der Starrer: Er findet euch super. Ihr werft euch Blicke zu, seid verlegen und denkt ihr seid verdammt gut angezogen . Der Haken? Er findet den Style vielleicht etwas zu krass. Ihr seid zu gut angezogen. Und deswegen traut er sich nicht, euch anzusprechen. Mode der Beziehungskiller, schon bevor es richtig losgegangen ist.
  2. Der Angsthase: Gleiches Szenario, anderer Grund. Ihr seid zu stylish, aber das wird nicht mit Lob und Anerkennung belohnt, sondern als abschreckend gewertet. Er mag euch, aber findet den Hut, den ihr tragt, echt richtig scheiße und peinlich. Das das vielleicht gerade in ist, davon hat der keine Ahnung und auch kein Verständnis für Stil. Mode als totaler Abtörner.
  3. Die falsche Art Mann: Ihr könnt über Mode reden, arbeitet in der gleichen Branche und er macht euch Komplimente für euren tollen Stil. Ein Traummann! Schnappt Ihn euch! Nur leider ist er schwul. Wenn man in der Modebranche arbeitet, dann ist das wohl zu 95 Prozent der Typ Mann, dem man täglich begegnet. Und auch im Privatleben scheint man als einigermaßen gut gekleideter Mensch eine besondere Art von Schwulenradar auszustrahlen. Versteht mich nicht falsch, ich finde das super, sie sind die besten Freunde mit denen man oft am meisten lacht, aber eben kein Boyfriend-Ersatz.

 

Mode macht Spaß. Ich trage gerne Culottes, weite Oberteile und Midikleider. Ich denke nicht (mehr) daran, was andere Leute von mir halten und wie ich auf sie wirke, ich mag das und trage das, was mir gefällt. Trotzdem wünsche ich mir in manchen Situationen, dass ich einen „normalen“ Beruf gewählt hätte oder einfach einen „normaleren“ Stil hätte. So sehr ich Mode liebe und sie mich mit den tollsten Menschen zusammengeführt hat, so sehr kann sie einem auch in manchen Situationen das Leben schwer machen. Am Ende kann ich dazu nur eins sagen: Jungs! Es gibt keinen zu krassen Stil! Morgens sehen wir doch alle gleich ungeschminkt aus. Bitte lasst Euch nicht von Culottes, Latzhosen, Schlabberteilen oder Plateauschuhen abhalten. Wir sind darunter doch alle nur normale Mädels. Wer in Berlin lebt, muss nun mal damit rechnen, auffällig vielen gut angezogenen Frauen zu begegnen… Gewöhnt Euch dran!