Interview: Sophia Zarindast

Sophia Zarindast ist DIE Newcomerin in der deutschen Schmuckbranche. Mit ihren Ketten und Ohrringen weiß sie genau, was Frauen gerne wollen: Eine Mischung aus Understatement und Opulenz. Mit ihrem eigenen Schmucklabel startet sie dank Artikeln auf LesMads, Journelles und Femstatics gerade richtig durch. Dabei ist sie gerade mal 24 Jahre alt. Wie sie das alles managt und warum sie gerade Schmuck macht, obwohl sie eigentlich mit ihrem Modeblog kabutar bekannt geworden ist,
das erfahrt Ihr jetzt. 

Wie bist du überhaupt dazu gekommen, deinen eigenen Schmuck zu fertigen?

Für mich selber habe ich eigentlich schon immer Schmuck gemacht. Als ich klein war, habe ich die Ketten meiner Mutter zerlegt, um daraus etwas Neues für mich zu fertigen. Oft habe ich auch einfach kleine Colliers aus Papier gebastelt. Daraus einen Beruf zu machen, kam aus einer totalen Laune heraus und war keineswegs geplant oder sonderlich gut durchdacht. Ich wollte in meinem Leben einfach etwas machen, was mir Freude bereitet.

Woher nimmst du die Inspiration für deine Schmuck-Unikate?

Das kann alles sein. Aber am liebsten lasse ich mich im Urlaub inspirieren. Von den Urlaubsorten fließen die unterschiedlichsten Kulturen und Farben in meine Kollektionen mit ein und wenn ich die Schmuckstücke am Ende betrachte, fühlt sich jedes im Nachhinein wie eine kleine Urlaubserinnerung an.

Wie groß ist der Aufwand für deinen eigenen Onlineshop?

Das ist sehr aufwendig, wenn man wirklich alles alleine macht. Mit der Hilfe meines Freundes lässt sich das alles aber sehr gut bewältigen, dafür bin ich ihm sehr dankbar. Vom Materialkauf über das Schmuckstück selbst, bis hin zu Produktbildern und Moods, die Verwaltung, dem Versenden der Bestellungen und der PR-Arbeit mache ich alles selber. Das wird manchmal schon ganz schön viel. Aber ich will mich nicht beschweren. Ich liebe es, alles selbst zu erledigen, denn ich kann meine Arbeit nur schwer an andere abgeben. Meine Kunden wissen es zu schätzen, dass ganz ganz viel Herzblut in ihren Lieblingsstücken steckt.

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Schaffst du es denn bei der ganzen Arbeit noch deinen Schmuck ganz alleine herzustellen?

Darauf lege ich definitiv am meisten Wert und ich nehme mir die Zeit, die jede einzelne Kollektion braucht. Manche Kollektionen brauchen einige Monate, kleine Capsule Kollektionen können von der Idee bis hin zum Launch auch schon mal in wenigen Wochen entstehen. Ich arbeite sehr intuitiv und impulsiv. Ich versuche einfach, mich nicht unter Druck zu setzen. Das würde meine Kreativität drosseln und den Sinn verfehlen. Es geht mir nicht in erster Linie darum, viel Geld zu verdienen, sonst würde ich wohl längst in China produzieren. Es geht mir um Nachhaltigkeit, Qualität statt Quantität und letztlich natürlich auch um meine Selbstverwirklichung. Ich bin unheimlich dankbar, dass meine unkonventionelle Art der Arbeit auch funktioniert.

Woher beziehst du deine Materialien?

Das ist ganz unterschiedlich und überhaupt nicht festgelegt. Ich beziehe Materialien eigentlich von so ziemlich überallher und bringe viel aus dem Urlaub mit. Da treffen immer nochmal andere Einflüsse und Inspirationen aufeinander, was ich immer spannend finde.

Du arbeitest mit hochwertigen Edelsteinen. Wie ist es möglich, dass deine Ketten trotzdem so bezahlbar sind?

Die Arbeit mit Mineralien und Naturprodukten liegt mir besonders am Herzen. Nicht auf eine esoterische Art und Weise, sondern weil sie auf mich schon als kleines Kind einen großen Reiz ausgeübt haben und eine besondere Wertigkeit ausstrahlen. Mir war es immer wichtig, dass meine Stücke trotz der hochwertigen Materialwahl und der Tatsache, dass es sich bei dem Großteil um Unikate handelt, zugänglich und bezahlbar bleiben. Mir würde es keinen Spaß machen, für eine klitzekleine Elite Schmuck zu fertigen. Ich möchte unbedingt, dass sich eben auch genauso junge Frauen wie du und ich meine Stücke gönnen können.

Ist der Schmuck deine Hauptbeschäftigung?

Momentan ist es (noch) mein Hauptberuf. Ich beschäftige mich sehr viel mit Schmuck, aber er ist nur einer von vielen großen Leidenschaften. Es mag zwar komisch klingen, aber ich definiere mich nicht zwangsläufig über das Schmucklabel. Ich liebe Einrichtungen und eigentlich so ziemlich jede Art der ästhetischen Arbeit wie zum Beispiel die Fotografie und Illustration. Es sind einige tolle Projekte in Planung, aber ich kann leider noch nicht mehr verraten.

Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?

Es mag kitschig klingen, aber was ich an meinem Job am schönsten finde, ist, dass kein Tag dem anderen gleicht. Es kommen jeden Tag neue kleine Aufgaben dazu und andere fallen weg, es wird nie langweilig. Da ich mein eigener Boss bin, teile ich mir meine Arbeit so ein, wie es mir gefällt. Mein Hund sorgt dafür, dass ich auch an stressigen Tagen an die frische Luft komme und das ist – wenn es nicht gerade in Strömen regnet – ein echter Segen.

Wann und wie kam denn der Durchbruch deines Labels?

Einen richtigen Knall gab es so eigentlich nicht. Es waren eher ganz viele tolle kleine Erlebnisse, die dann zu einer Entwicklung meines Labels geführt haben. Von frühen Features auf großen deutschen Blogs wie Lesmads und Journelles bis hin zu Veröffentlichungen in renommierten Magazinen wie der Couch, der Intouch und der Brigitte war schon vieles dabei. Ich durfte auch bei einzigartigen Events dabei sein, wie einem Pop-Up-Store mit den Hamburger Labels von Mercedes Me x I love Ponys und wurde zum Beispiel auch beim Girl-Power-zine Femtastics porträtiert. Es ist wundervoll, dass es heutzutage eine solche Unterstützung für Jungdesigner gibt und es möglich ist, so gepusht und ernst genommen zu werden.

Wie sieht die typische Sophia Zarindast Kundin aus?

Das Schöne ist, dass es sie gar nicht gibt. Meine Kundinnen könnten unterschiedlicher nicht sein und das finde ich fantastisch! Ich glaube, was sie vielleicht gemeinsam haben, ist die Lust auf etwas Frisches, was nicht jeder hat und Unikate sind da schon eine feine Sache.

Du bist ja nicht nur für deinen Schmuck bekannt, sondern auch für deinen Modeblog. Wie sieht denn nun dein eigener Stil aus?

Genauso wie ich es mit meinem Schmuck handhabe, kleide ich mich auch und richte meine Wohnung ein – alles ist erlaubt. Es ist wohl immer eine bunte Mischung aus allen möglichen Einflüssen, Stilrichtungen und Kulturen aus aller Welt. Ein bunter peruanischer Teppich neben marokkanischen Lampen und einem schlichten Teak-Tisch. Das Vintage-Top kombiniere ich mit einem Rock von Bimba y Lola aus Barcelona und Sandalen von COS. Die afghanischen Lapislazulis verbinde ich mit gefärbter Jade und Steinen, die ich auf dem Flohmarkt gefunden habe. Ich bin kein Fan von Monostilen, sondern liebe spannende Stilmixe, ohne dass es gezwungen oder gestellt aussieht.

Trägst du denn auch deinen eigenen Schmuck?

Zum Großteil, ja. Ich habe ein kleines Archiv aus Lieblingsteilen aus jeder Kollektion aufbewahrt. Ausnahmen sind natürlich Erbstücke, Geschenke und Stücke, die mir etwas bedeuten.

Neben deinem Schmucklabel und deinem Modeblog bist du ja auch auf allen Social-Media-Kanälen aktiv. Hat dein Tag mehr als 24 Stunden?

Witzig, dass du das fragst, ich weiß es manchmal selber nicht so genau. Es ist schon oft schwierig, da den Überblick zu behalten bei all den Anfragen und Nachrichten auf allen Kanälen. Instagram ist wohl das Medium, dass mir im Laufe der Zeit neben meinem Blog am meisten am Herzen liegt. Da kann ich meinen Kunden hautnah einen Einblick in meinen Job geben, so wie ich sie am liebsten habe: ohne viel Schnick Schnack und von Herzen. Aber dort kann ich auch meiner Lust auf Fotografie freien Lauf lassen und bin nicht auf reine PR eingeschränkt. Das wäre nicht meins.

Was wünscht du dir für deine weitere Zukunft?

Für meine berufliche Zukunft wünsche ich mir, dass ich weiterhin das machen kann, was mir Freude bereitet. Was das dann genau ist, ist mir eigentlich egal. Ich glaube genau darum geht es im Leben. Nicht das dicke Geld zählt, sondern glücklich sein.

Liebe Sophia, vielen Dank für das tolle Interview!

ONLINESHOP: www.sophia-zarindast.com/de
BLOG: www.kabutar.de

Alle Fotos: © Sophia Zarindast