Die Trend Diktatur der Phoebe Philo

Wer bestimmt überhaupt, was Trend wird? Die Antwort ist: Phoebe Philo ­– Chefdesignerin von Céline. Eine Frau, die den Titel „Trenddiktatorin“ verdient hat. Was Philo anfasst, wird zu Gold und vor allem zu viel Geld. Viele ihrer Ideen wandern, wenn auch oft über Umwege, meistens in unseren Kleiderschrank.

Ein Beispiel ist, dass Birkenstocks jahrelang verschrien waren. Das Unternehmen, das übrigens schon 1774 gegründet wurde, ist für sein gesundes Fußbett bekannt, jedoch nicht für sein einnehmend gutaussehendes Design. Trug man sie in den 70er-Jahren, war man vielleicht noch ein akzeptierter Hippie. Aber nur ein Jahrzehnt später waren sie das Symbol für einen hängengebliebenen Öko oder eine kompetente Krankenschwester. Diesen Ruf wurde die Pantolette 30 Jahre lang nicht los. Weder prominente Designkooperationen mit Heidi Klum, noch attraktive Medizinstudenten konnten das Image verbessern.
2013 dann der abrupte Wandel. Philo entwirft für Céline eine Schlappe, die mit Fell gefüttert ist. Die Modewelt klatscht begeistert in die Hände und trägt die Sandale auch bei den eisigsten Temperaturen, der Rest der Welt rümpft angeekelt die Nase. Nur sechs Monate später, nachdem die Fellschlappe auf Streetstyle-Blogs tausendmal um die Welt gegangen ist, hat Birkenstock sein großes Comeback. Kein Wunder, denn der Preis der angesagten Céline-Latschen liegt bei gut 500 Euro, die Birkenstocks kosten gerade mal ein Zehntel davon. Die gesunden Auswirkungen beim Laufen durch das Fußbett gibt es gratis dazu.

Both Photos: Céline Spring Summer 2013 via style.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist, als hätte Philo gewusst, dass den modebewussten Frauen die Lust auf hohe Schuhe vergangen ist. Unattraktiv ist schließlich die, die auf dem Kopfsteinpflaster unsicher hin- und herschwankt und nicht die, die leichtfüßig auf flachen Schuhen darüber hinwegspringt. Uns Deutschen kam dieser Trend da natürlich extrem entgegen, denn wir Deutschen mögen es schließlich bequem und funktional. Die flachen Schlappen erlebten ein Revival, wie keiner es je hätte voraussagen können, und einen kompletten Imagewandel und das alles nur, weil Philo den Wunsch der Frauen nach Komfort voraussagte. Birkenstock spricht jetzt davon, seine Umsätze zu vervierfachen, 2010 war das noch ein unrealistisches Wunschdenken.

Genau dieser Erkenntnis verdankt auch ein anderes Schuhmodell seine Wiedergeburt: Slip-Ons. Das Kultmodell stammt von Vans. 1966 eröffnete Paul Van Doren mit seinen Partnern Jim Van Doren, Gordy Lee und Serge D’Elia in Kalifornien seinen ersten Vans Shop. Nur ein paar Jahre später war der Vans Slip-On geboren. Allerdings wurde dieser Schuh nur in bestimmten Szenen getragen. Skater, Punks und Emos waren begeistert von dem Schuh zum Reinschlüpfen, machten ihn durch ihr verlottertes Image aber auch für den Rest der Welt uninteressant.

Auch hier kommt wieder Philo ins Spiel. Nachdem das Design der Schlappe im Birkenstock-Style so erfolgreich war, schien ihr klar zu sein: Frauen wollen es lässig und bequem haben. Lassen wir die Schnürsenkel weg! Der Slip-On à la Céline war geboren. Die Modewelt verfiel dem Philo-Design in Sekunden. Weil der Erfolg so groß war, legt Philo bis heute jede Saison ein neues Modell mit anderen Farb- und Mustervarianten auf. Und erleichtert den Frauen damit jeden morgen das Leben. Denn ohne sich bücken zu müssen, ist der Schuh mit dem Fashionstatement angezogen. Mit dem Erfolg von den Céline Slip-Ons kam auch, kaum verwunderlich, der Erfolg in das Unternehmen Vans zurück. Zwar war die Marke konstant erfolgreich als Skateschuh-Hersteller, aber durch das Revival konnte Vans seine ganz andere Typen ansprechen. Mittlerweile ist fast in jedem Kleiderschrank, egal ob männlich oder weiblich, ob Skater oder nicht, ein Vans-Modell zu finden.

Céline_SlipOnsFW15
Photo: Céline Fall Winter 2015 via style.com

Der letzte Coup von Philo? Das Polohemd. In den 20er-Jahren waren diese Hemden eigentlich als Sportbekleidung für das Polospiel entworfen worden – angeblich angeregt von einem gestreiften, rund ausgeschnittenen Trikot, welches indische Aristokraten zur Jodhpurhose trugen. Das Image des Polohemds verbesserte sich über die Jahre kaum: Von der Sportbekleidung wurde es zum Markenzeichen der Spießer. Kein Wunder also, dass auf dem Filmplakat von „Jungfrau (40), männlich, sucht…“ Steve Carell ein gestreiftes Polohemd trägt. Attraktivität sieht anders aus. Philo erkennt jedoch das Trendpotenzial des spießigen Hemds und vereint es sogar noch mit einem anderen kleinbürgerlichen Material: Rippstrick. Früher verpönt und als kratziger Unterwäschestoff verhasst, erschafft die Kombination der beiden biederen Komponenten ein Teil, das sogar Victoria Beckham leidenschaftlich gerne trägt.

Both Photos: Céline Spring Summer 2014 via style.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Doch was erschafft Philo als Nächstes? Was kann man sich jetzt schon zulegen und ist damit der absolute Trendsetter? Phoebe Philo ist sich sicher, die Messenger-Bag ist zurück! In den späten 90er- und den frühen 2000er-Jahren hatte fast jeder so eine Tasche, nicht nur Fahrradkuriere. Praktisch ist der neue Trend auf jeden Fall: Man hat die Hände frei, Portemonnaie, Schlüssel und Handy passen in die aufgesetzte Blasebalgtasche des Céline-Modells. Der Rest des Outfits sollte aber bitte elegant zurückhaltend sein, denn die Taschen aus buntem Kalbsleder sind der Blickfang. Was die Wiederbelebung für die Firma Eastpak bringen wird, kann man nur erahnen, aber der Vorstand kann sich wahrscheinlich jetzt schon nicht mehr ein breites Grinsen verkneifen.

Wer also eine Messenger-Bag im Keller findet, der kann sich freuen, denn Trenddiktatorin Philo hat entschieden: Das ist der neue Trend. Ich jedenfalls bin schon auf der Suche im Keller nach meiner alten Tasche…

Both Photos: Céline Fall Winter 2015 via style.com

 

 

 

 

 

 

 

 

All photos via style.com