Ein Loblied auf den Winter

Der Mensch will immer das haben, was er nicht haben kann. Glatte Haare wollen Locken, Locken wollen glatte Haare. Sommersprossen sind ein nerviges Beiwerk des Sommers, andere beneiden sie darum. Große Brüste sollen kleiner werden und kleine Brüste größer. Wenn es warm ist, soll es schnell wieder kühler werden und wenn es kalt ist schnell wieder warm. Wir sind einfach die Mäkelmeister Nummer Eins. Nie sind wir zufrieden. Aber ich setze mich für den Winter ein. Wieso?

Kaum wird es kühler und der Herbst geht los, da höre ich überall nur „Och nö, schon wieder Winter, da hab ich ja gar keine Lust drauf.“ Aber ich klatsche erst einmal begeistert in die Hände. Wieso, weshalb, warum? Weil ich den Winter bekleidungstechnisch liebe. Ich bin kein großer Fan von Nacktheit – auch wenn ich im Sommer niemals mit langen Ärmeln und langer Hose rumlaufen würde (ja, sowas habe ich in meinem Freundeskreis, und nein, nicht nur eine einzige Person). Ich mag kurze Hosen nicht halb so gerne, wie lange. Ich liiiebe meine Pullover über alles, ich mag Wintermäntel, Schals, Strickjacken, Stiefel, Mützen und noch so vieles mehr. Im Winter kann ich mindestens sechs Sachen aus meinem Kleiderschrank anziehen und super viel kombinieren. Im Sommer bei 30 Grad heißt es dann nur noch: Tanktop, Shorts, Sandalen. Die Anzahl wird also auf drei Teile reduziert.

Wer außerdem seine Beine nicht so gerne mag, der kann mir bestimmt zustimmen. Sommer ist nicht die ideale Zeit für Selbstzweifel und Figurprobleme. Wer den Bikini erfunden hat, gehört bestraft. Da lobe ich mir doch meinen guten alten Badeanzug, da muss ich wenigstens beim Rumplantschen nicht immer den Bauch einziehen und das Bikinihöschen rutscht doch eh ständig. Wer seine Füße nicht mag – oha, anscheinend ist das der Post, an dem ich Euch alle meine Makel offenbare (wehe Ihr guckt da jetzt ständig hin!) – der mag auch Sandalen nicht so gerne. Meine Liebe zu Turnschuhen geht ja weit, aber bei 30 Grad beende ich unsere Beziehung dann doch lieber. Ein Fan von meinen Füßen werde ich wohl trotzdem nie, aber ab einer gewissen Temperatur denke ich nicht mehr modisch, sondern praktisch und vernünftig (Hinweis an meine Freunde: Das solltet Ihr vielleicht auch mal tun, denn mit langer Jeans macht man sich doch etwas lächerlich im Sommer, findet Ihr nicht?)

Die Temperaturen gerade finde ich ja noch okay. Aber bei dem Gedanken, dass bald wieder das große Schwitzen losgeht, möchte ich mich am liebsten in einen Kühlschrank verkriechen. Vielleicht würde ich ja ganz anders empfinden, wenn ich wenigstens knackebraun immer Sommer werden würde. Aber meine Verwandlung reicht von Durchsichtig zur Leiche. Jetzt seid Ihr neidisch was?

Was ist denn Eure Lieblingsjahreszeit klamottentechnisch? Denn eines will ich ja gar nicht bestreiten, Urlaub, Sonne, Strand und Meer, na klar, dass hat der Sommer dem Winter voraus!